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Rattarium  

Chamsin

6. Juni 2020

Jamal war ein Kamel. Nicht irgendein Kamel, nein. Er war das Lieblingstier von Hamida. Und er konnte sprechen. Jedoch nur Hamida wusste davon. Waren andere Menschen in der Nähe, verstummte er und schien beinahe ein Kamel zu sein, wie alle anderen.

Hamida besaß eine kleine Herde und ein wenig Zauberkraft. Sie liebte alle Tiere darin – aber Jamal liebte sie besonders. Sie hatte ihn als Geschenk von ihrem Vater erhalten, als Jamal noch ein kleiner Kamelhengst war und gerade von der Milch seiner Mutter entwöhnt. Hamida hatte ihn täglich gebürstet, ihm heimlich Datteln zu essen gegeben, die er sehr liebte, und sie hatte ihm jeden Abend ein Märchen erzählt, damit er einschlafen konnte. Er schlief nämlich am Fußende ihres Bettes. Zumindest, solange er klein war. Nun nächtigte er auf einem großen weichen Kissen gleich neben ihrem Bett.

Jeden Morgen wurde er von Hamida prächtig aufgezäumt. Er meinte zwar jedes mal, er sei nicht eitel und dass es doch gar nicht nötig wäre, aber insgeheim bewunderte er sich mit diesem kostbaren Zaumzeug schon sehr, wenn er sein Spiegelbild in den reflektierenden Kacheln betrachtete. Tagsüber wanderte er frei in ihrem großen Haus umher, wie er mochte oder er spazierte mit ihr durch die weitläufigen Gärten, wobei sie sich angeregt unterhielten.

„Wünschst du dir, ein Mensch zu sein?“, fragte Hamida.
Jamal überlegte eine Weile, dann schüttelte er sein Haupt.
„Ich mag mich, wie ich bin. Und du“, fragte er zurück, „möchtest du ein Kamel sein?“
Hamida war ein wenig sehr verblüfft. Darüber hatte sie noch nie nachgedacht. Sie bewunderte Jamals lange Beine, die samtweichen Lippen, das flauschige Fell und die verträumt wirkenden Augen mit den langen Wimpern. Er war schön.
„Vielleicht für eine kleine Weile“, meinte sie dann ehrlich. „Wir würden gemeinsam über den Sand der Wüste jagen, schnell, wie der Chamsin, der heiße Wind, bis zur Küste hinunter und das Meer sehen. Als Mensch würde ich den langen Weg nie schaffen.“

Jamal sah sie aufmerksam an, und obwohl er um so vieles größer war, als sie, war es doch kein auf sie Herabschauen, wie es seiner Art nachgesagt wurde.
Er sagte leise:“Ich würde dich auf meinem Rücken tragen, bis ans Ende der Welt, mein Herz, und du wärest mir kein Gewicht, sondern ein Teil von mir.“

Hamida sah ernst hinauf in sein pelziges, ehrliches Gesicht und legte ihre Hand an seinen Hals.
„Wann brechen wir auf?“ fragte sie.

– – –

Diese kleine Geschichte ist – wie so viele – auf Twitter entstanden, weil @KGemuese ein wunderschönes Bild mit uns teilte, das eine Frau und ein Kamel zeigt. Und fragte, ob jemand dazu eine Story klöppeln wolle. Das Bild berührt mich sehr. Ja, ich wollte.
Damit war der Keim für diese Idee gesponnen und hier habe ich sie nun aufgeschrieben – als Hommage an die Geschichten aus Tausend und einer Nacht, die mir die Kindheit versüßten.

Ein ganz großer Wurf

22. Mai 2020

Story als Hörbuch

Kapitelüberschriften

Text: Ein sexy Millionär in tödlicher Gefahr. Sie müssen sich entscheiden, Ladies! Wollen Sie mich retten?, das ist die Beschreibung des gefährlichen Badboys Chris im Datingportal. Widerlich. May ist blind, und weiß doch nur zu gut, was sein 'sexy' Auftreten bewirkt. Die Beziehung mit Chris war toxisch und hatte dramatische Folgen, bis heute. Doch das weiß die Nachbarin Elena nicht, ein ganz normales Mädchen, die für den mysteriösen Fremden schwärmen wird, ihm all ihre alten Familiengeheimnisse anvertrauen wird, sich für ihn aufgeben wird, wie May vor ihr. Doch dann kommt alles ganz anders. Elena ist eine starke Frau, die weiß, was sie will - May. Und auf einmal ist das Leben des Badboys auf den Kopf gestellt. Als Aufarbeitungsstrategie planen sie ihm 'Das Kapital' an den Kopf zu werfen - mehrfach. Werden sie es schaffen?  'Ein ganz großer Wurf!' - Irgendein Kritiker  'Ein großartiges Buch, gute Wahl!' - Irgendein Prominenter  'Lesen Sie dieses Buch!' - Irgendeine Zeitung.

  1. Brot und Salz
  2. Flashback
  3. Peitsche und Zuckerguss
  4. Das Kapital
  5. Das Ende ist ein Neuanfang
  6. Warnungen zum Inhalt (CN), über diese Story, Nachtrag, Danksagung.

May hatte ihren Blindenstock bereits unten an der Haustür zusammen geklappt – sie brauchte ihn in der vertrauten Umgebung nicht. Eigentlich brauchte sie ihn ohnehin nur selten, sie war nicht völlig blind, konnte allerdings nur schwer Dinge erkennen, die weiter weg waren. Und weiter weg bedeutete in ihrem Fall: weiter als 30 Zentimeter. Es ersparte jedoch im Umgang mit unbekannten Personen so viel an Diskussion und Erklärungen, wenn diese davon ausgingen, dass ihr das Etikett „Komplett Blind“ anhaftete.

Gewohnt forsch schritt sie die Treppe zu ihrer Wohnung im ersten Stock empor, auch wenn ihre Augen vom Wechsel der Helligkeit draußen und dem dämmerigen Treppenhaus nun einige Zeit brauchen würden, um sich umzustellen.
Unten an der Tür rief jemand „Achtung!“ Im Gehen schaute sie sich unwillkürlich um und fragte sich, ob sie gemeint war. Der Umzugskarton stand mitten im Hausflur. Sie blieb mit dem Fuß an der Kiste hängen, die sie sonst bemerkt hätte. Der gefaltete Langstock, den die bis eben in der Hand gehalten hatte, fiel dabei klappernd zu Boden. Sie stolperte einer Person regelrecht in die Arme und wurde so vor einem Sturz bewahrt. „Oh, riecht dieser Mensch interessant“, dachte May – völlig unpassend für diese Situation.
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Imago

20. Mai 2020

Inhalt, Warnung:
Nacktheit, Erotik, Dystopische Zustände, Einsamkeit, Psychose, Erscheinungen, Naturgewalten (Tsunami, Monsun, Erdrutsch), Science fiction.

Die Kapitel

1. Der Fremde
2. Ten Years After
3. Das Jahr Null
4. Heute
5. Schattenzonen
6. Oder hier die Hörbuch-Datei mit 5 Kapiteln komplett als mp3 herunterladen.
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Dunkeltier

13. Mai 2020

Dunkle Wasser und ein dunkles Wesen mit großen Augen, Ohren und Mund.
Zur Hörfassung des Gedichts Dunkeltier

Das Dunkeltier
es lebt in mir
ganz tief, verborgen
angekettet, eingeschlossen
und doch immer Teil von mir.

Nur manchmal
wenn ich müde bin
dann bricht es aus dem Kerker aus
frisst gierig meine Aura, es sabbert Angst und Zweifel
sein Gift, es lähmt, und es macht furchtbar wütend.

Es blinzelt
denn ihm / uns ist alles nun zu grell
ein jeder Ton ist jetzt zu laut,
das Außen schnürt die Luft ab, schlingt Ketten um uns beide
andere Menschen? zu viel Nähe, zu viel Unruhe. Viel zu Viel.
Flucht! schreit es. Wir… können nicht… entkommen…

Wir ringen still
verzweifelt
rotierend
suchend
bis wir uns gemeinsam erschöpft in den Armen liegen
beide besiegt. Schlaf ein, mein Lieb, schlaf ein.

Audioversion

Länge 1:10 Minuten. Größe: Etwa 1,62 Mbyte.

Geschützt: Bis aufs Blut

2. Mai 2020

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Land- und Forst

25. April 2020

Bunte Blumen auf einem Acker

Blumenwiese

Und wieder haben wir ein viel zu trockenes Wetter, eine dramatische Entwicklung, die sich seit Jahren abzeichnet.

Es könnte in unseren Breiten ein dringend nötiges Umdenken einleiten. Es hätte eine Menge positiver Auswirkungen, die ich nachfolgend anmerken werde.

Wird in diesen Tagen der Acker gepflügt, dann gibt es mächtige Staubwolken. Bei starkem Wind wird der Ackerstaub auch bis über die Landstraßen gefegt.

Kein Strauch hält dieses Treiben auf – es sind keine Hecken mehr da.

Das Klima wird immer trockener, somit auch die Böden, Erosion droht, die Wälder sterben – nicht nur an Trockenheit, es breiten sich Krankheiten aus.

Wir können so nicht mehr weiter machen!
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Was wäre wenn

24. April 2020

zur AudioVersion des Gedichts auf dieser Seite springen.
ein felliges Wesen, Zeichnung
Was wäre wenn – anstelle des zarten Flaums
der meine weiße Haut bedeckt
ein dichter Pelz erwüchse
an allen Stellen
starker Flausch, in Dunkelwolle.
Würdest du mich kraulen wollen?

Locken, die hüftlang aus den Achseln hingen
Schamhaar ringelnd, bis zum Knie.
Das Haupthaar wuchernd, wie eine Korona
die Hals und Nacken schützte
sich willig wissenden Händen öffnete
die zart die Strähnen richten.

Sag, könntest du, meinen Bart flechten
wenn du meine Augen dabei nicht sähest
die verhangen unter üppigem Brauenvorhang
verdeckt, versteckt, verschreckt blinzeln?
Ahntest du wohl den Mund, der begehrend
fragend in den Schnauzer haucht?

Das Beinhaar, lang wie Binsenröcke, es tanzte
um Waden, schützte sie vor Heiß und Eis
und auch am Fuß das Fell ein Sockenproblem löste.
Ob wir eine Schere bräuchten, oder gar ein Messer
um – später – unsere verhakelten Beine zu trennen?

Das Gedicht als Hörversion

Als mp3-Datei (1,5 Mbyte) anhören:

Geschützt: Dickes Ding

24. April 2020

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Geschützt: Selbstfindung

16. April 2020

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peu à peu

13. April 2020

zur Audio-Version des Gedichts
Foto eines Fischeichs, mittels twirl entfremdet. Po an Po mit dir aufzuwachen,
deine Nähe an meiner fühlend.
Ich drehe mich auf den Rücken
noch sind die Augen geschlossen
und spüre, wie deine Lippen meinen näher rücken.
Und zu meinem großen Entzücken
nun deine Hände meinen Körper drücken.
Stück für Stück auf Erkundung gehen
und wiedererwecken,
neu entdecken
ihr Revier abstecken.
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