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Rattarium  

Die Nacht in der ich Toma Ignis war

Fanfiction zu: skalabyrinths Jurin Raute – Windschwinge

CN, Content Notes: Essen, Erotik (angedeutet), Vorurteile, Magie, Traumsequenzen. (CN werden ergänzt, sobald ich mir darüber klar geworden bin)

Inhalt: Eine Kurzgeschichte, in der Ich-Perspektive erzählt, Hommage an eine Shortstory aus dem Myrie-Versum von @skalabyrinth.
Toma Ignis, ein Zwerg (Pronomen: sier/sies/siem/sien), der nicht in der Myrie-Welt vorkommt, trifft im Traum auf zwei Romanfiguren aus der Myrie-Zange-Buchserie.
Ich fragte mich, was die beiden Personen wohl machen, nachdem sie den Kuchen aßen. Würde es zu dem verabredeten Sex kommen? Mein Text setzt dort an, wo Jurin Raute endet.

~

Audio-Aufnahme der Story


Download: Audio
(Dateigröße: 7.8 MB – zuletzt aktualisiert am 02-04-2021.), etwa 13 Minuten.

Die Story

Von einem Moment zum nächsten war ich in einer anderen Welt. Angst fühlte ich keine. Es war eher so ein Trance-Gefühl wie im REM-Schlaf kurz vor dem Aufwachen, wenn ich mich in fremde Welten träumte. Im Traumversum konnte ich fliegen, mit lang Verstorbenen sprechen, im Dunklen sehen. Raum, Logik und Zeit waren keinen Gesetzen unterlegen.

Neugierig sah ich mich um. Ich stand im Garten eines frei stehenden Hauses, hinter dem das Gelände sacht zu einem Deich hinunter abfiel. Das erklärte den leicht modrigen Salzgeruch in der Luft. Es roch wie … ja, wie Heimat. Mir fiel kein passenderer Begriff dafür ein. In der Ferne sah ich einen schmalen Streifen des Meeres zwischen den Dünen. Es glitzerte geheimnisvoll. Rote Wolken über dem gesamten Himmel, die sich dort am Horizont im Wasser spiegelten, sagten mir, dass soeben die Sonne unterging. Oder vielleicht drehte sich dieser Planet gerade einem Sonnenaufgang entgegen? Ich würde es in wenigen Minuten wissen, wenn es entweder heller oder dunkler wurde.

Ich drehte mich zurück zum Haus. Eine Figur spiegelte sich in einem der Fenster. Das war dann wohl ich: Lange graue Haare, die teils in Zöpfen gebunden waren, aus denen sich einzelne Strähnen gelöst hatten. Ich klemmte sie achtsam hinter die Ohren – das würde ich wohl später richten müssten. Der graue, kurzgeschorene Kinnbart gefiel mir. Ich trug über meinem stämmigen Körper eine Art graues Hemd, das in der Mitte mit einem Gürtel zusammengefasst war. Dazu eine weiche, ebenfalls graue Hose und feste, geschnürte Stiefel. Wenig überraschend waren diese auch in einem grauen Farbton. Ich würde das mit den Farben mit meinem Traum-Ich mal ausdiskutieren müssen.
Aber vorerst gefiel mir, was ich sah.

~

Ich hörte Stimmen, die aus einer Ecke des Gartens kamen, die von hier aus nicht einsehbar war. Ich trat die paar Schritte näher und dann sah ich Jurin Raute. Ich wusste sofort, dass es nur Jurin sein konnte, denn hinten am sonst kahlen Kopf war dieses Haar-Karo mit dem schwarzen Zopf. Außerdem nordelte die Person sehr. Dicht daneben saß eine weitere Person. Das musste Munik sein. Sie aßen eine Art Kuchen. Mein Magen reagierte auf das, was meine Augen dem Körper meldeten.
Ich fragte, nur um ganz sicher zu sein: „Munik? Jurin?“

Beide drehten sich zu mir um. „Joah“, sagte Jurin langgezogen mit einer deutlichen Frage in der Stimme. Munik nickte grüßend und lächelte freundlich. Sie schienen auf etwas zu warten und sahen mich weiterhin an.
Oh Mist, ich sollte mich wohl endlich vorstellen.

„Toma“, sagte ich, „Toma Ignis. Aus Hummelheim.“ Ein Teil meines Traum-Ichs kicherte sehr darüber, dass ich hier einen anderen Namen hatte, als in meiner Welt. Nichts daran war ungewöhnlich. Auch nicht, dass ich, ein Zwerg, in einem nicht realen Literatur-Universum mich mit Orks und Elben unterhielt. Oder war die Welt, aus der ich kam, wirklich die reale? Den Effekt kannte ich. Ich bewegte mich beim Träumen immer in einer Art Halbwelt, einer Twilight Zone. Teile meines Denkens beschäftigten sich sogar mit der Frage, ob ich Kadulan sprechen konnte oder ob ich hier mit Niederelbisch weiterkäme.

Die Überlegungen wurden beiseite geschoben, da ich mich nun von Gesten eingeladen fühlte, mich zu den Beiden an den Tisch zu setzen. Ich hatte im Traum noch nie gegessen. Oder ich erinnerte mich nicht daran. Vor allem aber hatte ich nun Durst. Es war in keinster Weise logisch, aber plötzlich stand ein weiterer Becher auf dem Tisch, aus dem ich durstig aromatischen Tee trank. Danach probierte ich den Kuchen. „Köstlich“, sagte ich.

Jurin und Munik saßen dicht beisammen, einander berührend. Es sah sehr vertraut aus.
Ich saß ihnen gegenüber und musterte sie, genauso neugierig, wie sie mich ansahen. Inzwischen war es dunkler geworden. Mein Gehirn, dass ich ironisch Yggdrasil nannte, weil es anscheinend nicht nur einen Hirnstamm hatte, sondern sich auf nicht nachvollziehbare Weise verzweigte, kommentierte: Abend. Ich kommentierte den Kommentar lautlos mit: Obviously.

Munik fragte mich: „Ich bin neugierig. Magst du eine persönliche Frage beantworten? Du sagtest, du bist aus Hummelheim. Was machst du hier oben im Norden?“
Auch Jurin, mit den Fingern Muniks Nacken kraulend, schaute neugierig zu mir herüber.
„Das kann ich leicht und gerne beantworten“, sagte ich. Dabei wusste ich in Wirklichkeit nicht, was ich sinnvoll darauf erwidern sollte.

Yggdrasil übernahm und sagte aus meinem Mund: „Ich wollte euch kennenlernen, ich hörte Faszinierendes von euch“.

„Von deiner KI?“ mutmaßte Jurin.

Ich fasste in die Seitentasche meiner Hose und tastete nach dem Smartphone, um ihnen die Künstliche Intelligenz meiner Welt zu zeigen. Da war keins. Natürlich nicht. Yggdrasil kicherte und raunte: „Falsches Universum.“

Ich strich gedankenverloren über meinen Bart und senkte den Kopf, um zu überlegen, wie ich zwei geträumten Buchfiguren meine Existenz erklären konnte. Dabei fielen die Strähnen noch weiter ins Gesicht. Unwillig versuchte ich sie nach hinten zu legen, was diesmal nicht funktionierte.
„Möchtest du das in Ordnung gebracht haben?“, fragte Munik.
Erleichtert dankte ich meiner Imagination, dass Logik des Traums anders tat und Plotholes keine waren. Ich nickte freudig. Die Frage nach meiner Intention war vergessen als wäre sie nie gestellt worden.

Wir schoben den Tisch vorsichtig beiseite und ich setzte mich mit dem Rücken zu den Beiden, die begannen, meine ruinierte Frisur zu entflechten. Rasch hatten sie das Haar gebürstet – mit einer erträumten Bürste – kicherte Yggdrasil, und neue Zöpfe hineingeflochten. Es war ein wundervoll heimeliges Gefühl, wie sorgsam sie mich pflegten. Viel zu schnell für meinen Geschmack war die Zuwendung vorbei. Ich drehte mich im Schneidersitz wieder frontal zu ihnen um. Es war fast zu dunkel geworden, um etwas zu erkennen. Ohne darüber nachzudenken, griff ich zu den Kerzen auf dem Tisch.
Wo kamen die denn plötzlich her, wollte Yggdrasil wissen. Ich ignorierte den Nebengedanken und entzündete ungerührt mit der bloßen Hand die Lichter.
Jurin grinste. „Das erklärt deinen Nachnamen“, sagte as.

Munik wollte wissen, ob ich das mit Magie gemacht hätte. Mein Traum-Ich verlor sich in Grübeleien und versuchte, sich an etwas zu erinnern, was nie geschehen war. Schließlich träumte ich ja nur, nicht wahr? Yggdrasil flüsterte dazwischen: „Alles wie immer, du driftest auch in deiner Welt dauernd ab. Daher fühlst du dich hier nicht fremd“. Ich hörte nicht hin. Meine Erinnerung, die nicht meine eigene war, brachte mich zurück in Situationen, die ich so wohl nie erlebt hatte. Krasses Universum, dachte Yggdrasil, hier bleibe ich.

~

„Toma!“, schalt mein Elter und beschwerte sich bei der Erziehungsperson, bei der ich lebte: „Sier tut es schon wieder. Ich dachte, wir hatten darüber geredet, dass sier das lassen soll! Wie oft habe ich siem das nun schon verboten? Was werden sies Mitlernende dazu sagen, wenn sie diesen Unfug sehen? Sies Verhalten ist doch nicht normal!“
Mein Erinnerungs-Ich löschte augenblicklich die blauen Flammen, die an den Fingerspitzen leise knisterten und ich fand mich zurückversetzt in diese Welt – die ja auch nicht meine eigene war.

~

Munik streichelte über Jurins Arme. Ich bewunderte, wie muskulös sie waren. Ich hatte mir Elbische immer zierlicher vorgestellt. Ich ermahnte Yggdrasil, dass wir unbedingt an unseren Vorurteilen arbeiten mussten. Die flackernden Irrlichter warfen wechselnde Schatten darüber. Nicht über die Gedanken, über die Armmuskeln, meine ich natürlich.

Jurin war meinem Blick gefolgt und fragte unsicher. „Möchtest du auch kuscheln?“
Es klang so, als hätte eigentlich ich das fragen müssen und Jurin hätte für mich und sich den Kompromiss gefunden, selber zu fragen, da ich ja so offensichtlich nicht aus dieser Welt kam. Selbst im Traum fühlte ich mich nun doch irgendwie zugehörig. Das war ein sehr schönes und warmes Gefühl.
Ich versicherte: „Ja, das würde ich sehr gerne. Ich bin reichlich unterkuschelt. Und ich friere.“

Ich empfand die Temperatur, nachdem die Wärme der Sonne fehlte, inzwischen als ziemlich kühl. Meine Finger waren unangenehm kalt geworden. Ich rückte dankbar in die Lücke, die Jurin und Munik für mich freimachten und genoss die körperliche Nähe, so zwischen Ork und Elb. Einen kurzen Moment lang verstummte auch Yggdrasil, ebenso wie ich in dieses erogene Headspace driftend, als Jurin mir leicht über den Arm strich und Muniks Hand meinen Rücken entlang streichelte. Fast hätte ich begonnen zu schnurren.
Yggdrasil erinnerte mich mild tadelnd daran, dass ich nicht in jenem Traum mit der Katze war. Nein, das war ich tatsächlich nicht. Meine Libido hatte mit meinem Unterbewusstsein ein Agreement beschlossen, erkannte ich, als der Traum zunehmend körperlicher wurde. Ich ließ mich treiben. Jap, diese Traumwelt gefiel mir immer besser.

Ob Orks so etwas wie Gänsehaut bekamen? Ob das mit den empfindlichen Elbenohren wirklich stimmte? Mit Blicken versicherte ich mich, dass mein eigenes Erkunden der Hautstellen, die nicht zu meinem Körper gehörten, nicht unangenehme Reaktionen hervorriefen. Das Zittern, das nun immer stärker durch meine Muskeln kroch, kam nicht von der Kälte. Muniks Ork-Haut war warm und angenehm rau. Jurins Muskeln spannten sich unter dem weichen Flaum an, als ich sainen Arm näher an mich heranzog. Ich wollte mehr davon. Nur – wie sollte ich ihnen das vernünftig erklären? Meine Denkfähigkeit war gerade etwas abgelenkt.

Munik sagte zu Jurin: „Wenn du noch an sexuellen Handlungen interessiert bist, die ich für mich auf später verschoben hatte – ich möchte nun gerne.“
Jurin nickte zustimmend.
As sah fragend zu mir: „Ist das für dich in Ordnung?“

„Ich bin nicht Windschwinge, aber ich bin einverstanden.“

Ich sah Jurin an, dass die Antwort bei iem mindestens so unklar angekommen war, wie saine Frage bei mir. Grinsend präzisierte ich: „Wenn das für euch beide nicht zu aufdringlich ist, möchte ich gerne Sex mit euch haben. Ist die Frage so gemeint gewesen?“

In Jurins Augen flackerte so etwas wie Interesse auf, es konnte aber auch einfach der Lichtschein meiner Irrlichter sein, die das suggerierten. Ich war nicht ganz sicher. Jurin nickte jedoch. Langsam senkte as den Kopf und biss mir vorsichtig in den Hals, diese eine Stelle unter dem Ohr, die bei mir besonders empfindlich ist. Ich fiepte leise. Jurin grinste und sah reichlich zufrieden aus.

Auf der anderen Seite fuhr Munik mit den Fingerspitzen die Adern meiner Unterarme nach. Die Härchen dort stellten sich auf, wie Eisenspäne unter einem Magneten. „Das könnte interessant werden, ich bin einverstanden. Und neugierig“, sagte Munik. Saine Stimme hatte einen heiseren Unterton bekommen.
Klang das verlangend?
„Lasst uns reingehen.“
Munik küsste mich frech aufs Ohrläppchen, stand auf und zog mich und Jurin mit hoch.

Yggdrasil schaltete in den Erotikmodus.

Ende

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