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Rattarium  

Anubis und ein Krimi in München

Es geht um: Inepu – Die Herren des Schakals, Band 1 (von 3)
von Roxane Bicker

Die Ermittlerinnen Daisy und Rosa, mit viel Vorgeschichte, die im Laufe des Buches enthüllt wird, müssen innerhalb von wenigen Tagen im München des 19. Jahrhunderts einen Mord aufklären, sowie ein Ausstellungsstück des Museums wiederbeschaffen. Ob ihnen beides gelingt, lasse ich hier mal offen. Nur soviel sei gesagt: Das Ende ist … ungewöhnlich.
Das Buch las sich äußerst spannend, das ist eines der Bücher, das sich an einem Wochenende gut durch bingen lässt.

Was hat mir gefallen?

Da ist einmal der Bezug zu Alt-Ägypten. Einige der beschriebenen Praktiken beim Totenkult waren mir bekannt und dementsprechend langweilig für mich, aber es gab tatsächlich so einiges an Erklärungen, das ich noch nicht wusste. Ich mag, dass die Hieroglyphen, die Heiligen Zeichen der Gottheit (Inpu, im Buch Inepu oder Anubis genannt) auf dem Buch abgebildet sind (spoiler: Band 2 Aset und Band 3 Usir haben das ebenfalls).

Ich mochte, dass hier fast ausschließlich Rosa und Daisy die Handlung bestimmen. Wobei die Nebencharaktere durchaus eigene Geschichten entwickeln, die mit Perspektivwechseln fein herausgearbeitet werden. Sie sind also nicht nur Stichwortgebende für die Protas.

Es gibt in einer Nebenhandlung eine gay romance, die ich zwar, der Zeit geschuldet, in der die Handlung spielt, ein wenig umständlich fand, bin aber vorwiegend hingerissen von dem Paar.

Überhaupt sind die Figuren brauchbar herausgearbeitet, und zwar nicht nur die Hauptcharaktere, sondern auch die Personen drum herum.

Der Fall ist spannend aufgemacht, enthüllt sich in Nebensträngen, bei denen ich den Überblick behalten konnte, weil im Roman selbst Abgleichungen zu den Ermittlungen geschildert werden. Das hat mich mit in die Handlung genommen und geführt.

Ich mochte das Ende und ich glaube, ich mochte auch das Mystische dabei. Ungewöhnlich für einen Krimi, aber, warum nicht. Es passt irgendwie gut da hinein.

Und ja, ich beginne nun Band 2, Aset, zu lesen.

Schlimme Dinge

Vorweg: ich bin so überhaupt nicht die Zielgruppe für Kriminalromane. Ist nicht meins. Das ist eine ganz persönliche Abneigung und bewertet das Buch nicht deswegen negativ. Jedoch gab es einige Sachen in „Inepu“, bei denen ich cringen musste. Wie gesagt, ich habe es beinahe innerhalb weniger Stunden von Anfang bis Ende durchgelesen, aber mein Unbehagen an einigen Stellen möchte ich dennoch nicht verschweigen.

Ja, ich habe die CN vorab gelesen, mehrmals. Ich war also vorbereitet auf Blut, Schweiß und Tränen.
Das bisschen „Gore“ gehört bei Literatur über die Beschreibung bei Mumifizierung anscheinend dazu. Damit kann ich um. Aber …
1. (CN: Alkohol) Was mich persönlich gestört hat, war die häufige, in meinen Augen unnötige Erwähnung von Alkohol in jeder Form. Ist ein persönlicher Trigger für mich, kann Roxane nichts für, dey hat in deren CN schließlich die Warnung gesetzt.
2. (CN: Drogen) Ganz schlimm für mich: Die ausführliche Schilderung der Wirkung und Verabreichung der angewendeten Drogen.
3. (CN: Binarität) Trotz aller Queerness, die ich wirklich feiere, ist das Buch hauptsächlich binär geschrieben.
4. (CN: Misogynie) Besonders zu Anfang des Romans wird immer wieder erklärt, wie ungewöhnlich es doch sei, dass Frauen so etwas (Detektei, Hosen tragen, selbständig sind, etc etc) zu der Zeit eigentlich nicht machen. Das wird im Laufe des Buches besser.
5. (CN: trans erasure? Gewaltvolles Gendern) „[…] denn sicherlich handelte es sich um einen Mann, er trug Hose, Mantel, Hut. …“ Das denkt eine nicht heteronormative Frau, die selbst immer in Hose, Mantel, Hut unterwegs ist? Geschlechtszuweisung anhand von Kleidung? Uff.
6. (CN: Dead naming?) Eine Person bittet, mit einem bestimmten Namen und ohne Anrede oder Titel angeredet zu werden. Und es wird mit voller Absicht ignoriert, weil eigenen Vorstellungen von Höflichkeit wichtiger sind? Das hinterließ beim Lesen kein gutes Gefühl.
7. (CN: Homofeindlichkeit) Achtung, Spoiler: Dieser eine grässliche Homofeindliche Typ – am Ende stellt sich heraus, dass er selber Strichjungen aufsucht? Was ist das für ein Trope?
8. (CN: Rassismus?) Ein indischstämmiger Brite wird unwidersprochen als „Teepflücker“ bezeichnet, hat einen „Singsang im Akzent“, der auf […] ursprüngliche Herkunft hindeutet“. Uff. Hier und an ein paar anderen Stellen bei dieser Person wäre ein diesbezügliches SR von einer BPoC-Person dringend nötig, finde ich.
9. (CN: Non-Con) Personen werden ohne Konsens vor anderen ge-outet. Personen, die ein Geheimnis haben, werden vor anderen bloßgestellt… Uff, und Uff.
10. (CN: körperliche Übergriffe?) Körperkontakte werden gehalten, obwohl die die andere Person sich wehrt. Ok, ist nicht meins, finde ich übergriffig.
11. (CN: ?) Eine Person erklärt ausführlich und mit sehr viel Hintergrundwissen etwas – wird aber von Freundesperson gebremst, es sei zu ausschweifend… (Ich weiß noch nicht, wie ich dieses Mund-verbieten/Klischee/Gefälle nennen soll.) Einschränkung: Das ist nur ein ganz vages und mein ganz persönliches Gefühl, ich mag das nicht pauschalisieren.
12. (CN: ?) Eine Person, die aus Gründen keine Beziehung zu einer anderen möchte. Diese Gründe werden ignoriert und es wird trotzdem zu einem Kontakt gedrängt? Uff. Sehr gewaltvoller Tropus, aber… ist ja romantisch und so? /sarcasm

Ein sehr lesenswertes und ausführliches Review des Bandes Inepu bei Goodreads von Resa, mit mehr wichtigen Punkten und argumentativ wortgewandter als mein hier geschriebenes Unbehagen.

Noch ein paar allgemeine, kritische Gedanken von mir, die nur entfernt etwas mit dem Buch zu tun haben: Es geht hier um Museen, um Ausstellungsstücke. Die in anderen Kulturen „gefunden“ werden. Europäer graben sich durch Ruinen in anderen Ländern und nehmen mit, was sie können.
Koloniale Denkweise, Stichwort: Raubkunst.

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