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Rattarium  

Urban Fantasy Going: Queer

Ganz und gar meine persönlichen Eindrücke! Rezension/Review der Anthologie #UFGQueer.

Herausgebende Aşkın-Hayat Doğan und Noah Stoffers
Cover-Gestaltung: Grit Richter
Seitenzahl: ca. >400
Erschienen: 23. Oktober 2021
im ArtSkript Phantastik-Verlag

Erster Eindruck: Shiny Cover. Welcoming Vorwort.
Erstes Minus, liegt aber mit an meiner Verpeiltheit: Ein Hinweis auf CN habe ich erst im Vorwort gefunden, gesucht hatte ich am Buchanfang, am Ende und in den Kapitel-Links.
Jedoch: Die Content Notes stehen jeweils vor den Kapiteln, das ist sehr gut!

Die einzelnen Kurzgeschichten

(Meine Wertung jeweils in Klammern, 6-Punkte-System.)

1. Weltenwandler*in

Erste KG „Weltenwandler*in“ ist von Sarah Fartuun Heinze. Es ist eine wunderbar vielschichtige Wortorgie der Synästhesie. Werde ich wohl noch öfter lesen. Der Text hatte keine CN, brauchte aber definitiv auch keine, es war einfach nur schön zu lesen.
Volle (6) Punkte!

2. Lockfrequenzen

Zweite KG, „Lockfrequenzen“ von Iva Moor.
CN: Body Horror (Verwandlung), Alkohol, Wasser, Kannibalismus (erwähnt), queerfeindlicher Angriff (angedeutet), Gewalt, Entführung.

Saleen (Merborn, also Nixe) lebt an Land, ist lesbisch, hat sich in Luna verliebt (nur Knutschen, kein weiterer Sex beschrieben). Luna ist nicht das, was sie zu sein scheint. Es gibt eine (gewaltvolle) Verstrickung durch ein Missverständnis beim Singen. Der Text hat etwas von ‚Untergrundnixen‘ schützen die Ihren … aber es gibt ein Happy End.
Nur (5) Punkte, weil für meinen Geschmack – für mich hat schon die Romanze allein funktioniert – unnötige Gewalt eingebracht wird (um vielleicht die Story etwas dramatischer zu gestalten?), aber der Plot-Twist brauchte vermutlich diese Erklärung. Und hier auch wieder mein ganz persönlicher Frust, ob eins noch/wieder/weiterhin einer Person trauen kann, die mich angelogen hat, sich unter Vorwand genähert hat. So etwas tut weh. Aber – es ist ja nicht meine Story. Wenn es für die Protas ok ist, kann ich damit um.

3. Tam Lin 2020

Dritte: „Tam Lin 2020“ von Christian Handel.
CN: Alkohol, Body Horror (Verwandlung), Drogen (angedeutet), Gefangenschaft (erwähnt). Hier fehlt imo: Missgendern.
Sehr nice. Fantasy, die ich mag. Magische Wesen unter uns. Große Liebe, Gay Romance, sehr schön alles, mag ich sehr. Aber – „Großes Aber“ diesmal …: eine Nebenfigur wird übelst missgendert. Das hat mich total rausgerissen, sodass ich dem durchaus spannenden Plot fast nicht mehr folgen konnte. Eine Person (C) wird weiblich gelesen (von Person B), von einer anderen Person (A) mit einem vermeintlich maskulinem Namen angeredet, und Person B kann plötzlich nicht mehr als „weiblich“ von C denken? Was zum…? Das hat weh getan.
Welche Punktzahl soll ich nur geben? Ich teile auf: (5) für die Idee und textliche Umsetzung. Und (-1) weil das zwanghafte binäre Zuordnen eines Genders einer vermutlich trans nicht-binären Person so krass negative Vibes auslöste. Die Story lässt mich zerknittert zurück (weil ich den Text wegen dieses schlimmen Missgenderns nicht genießen konnte).
(4?) Punkte.

4. Partygespräche

Von Jenny Cazzola.
CN: Alkohol, Blut, Nacktheit, derbe Sprache, sexuelle Belästigung, Verletzung.
Oh my. Bei dieser Story weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Ich habe wirklich versucht, sie zu mögen, es hat nicht funktioniert. Da ist eine Person, Jake, die nicht gerne angefasst werden möchte. Jake wird dauernd angefasst. Gegen seinen Willen. Ok, es steht in den CN. Ich cringe trotzdem ob der fortwährenden Übergriffigkeit und Grenzübertretung.
Ebenfalls vorgewarnt hat mich der Begriff Alkohol. Damit habe ich allerdings ein Problem. Mit der ganzen Party-Atmosphäre, um ehrlich zu sein. Alk ist mein ganz persönlicher Trigger, aber dafür kann der Text nichts. Leider wird sehr viel getrunken. Das war schlimm, richtig schlimm für mich. Und bei dieser Kurzgeschichte bin ich deshalb sehr froh, dass CN vor dem Kapitel stehen. Das hätte mich sonst noch stärker getroffen.
Positives: Ich mag am Hauptcharakter Jake, dass er pan ist, dass eine sexuelle Variante thematisiert und auch ausgiebig erklärt wird, die sonst eher selten in Geschichten zu finden ist. Ich mag die Queerness, die über allem liegt, und die Freundschaft, die sich aus einer Antipathie entwickelt hat. Ich mag, dass Jake sich, mithilfe von außen, selbst analysiert und die Lesenden dabei behutsam mitnimmt. Ich mag, dass die Story auf eine erwartbare lineare Lösung zusteuert, diese aber aus Gründen doch nicht stattfindet.
(3) Punkte, die allerdings wirklich nur meinem ganz persönlichen Struggle geschuldet sind und ich daher mit dem Text nicht warmgeworden bin.

5. Stone Butch Muse

Geschrieben von Elea Brandt.
CN: Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit, Entzug, Depression, Diskriminierung, Psychiatrie, Erwähnung von Trauma und sexueller Gewalt.
Hui, das war eine wirklich interessante Geschichte. Komplexe Charakterstudie einer Muse, die am Kapitalismus-geprägtem Wertesystem unserer Gesellschaft scheitert. Zwar auch hier wieder mein Trigger-Thema Alkohol, aber aushaltbar (ich liebe die CN vor den Kapiteln, echt!). Der Text vereinigt Intersektionalität, Empathie, Queerness (Yay, Herz für Stone Butches!). Er lässt am Vorurteil zweifeln, in derartigen Einrichtungen seien nur welche, die „selbst schuld und zu schwach für die Gesellschaft“ sind. Aber was ist das für eine Gesellschaft, die ihre Kreativen derart marginalisiert, sie zu Täter*innen stigmatisiert, aussondert? Dabei sind sie Opfer des Systems, denn die wahren Täter*innen sitzen in ihren Elfentürmen, ignorant, und verantwortlich für den ganzen Mist.
Nun, es ist ein empowernder Text. Über Leute und für Leute geschrieben, die einen Phoenix in der Asche erkennen, wenn sie ihn sehen und spüren.
Einen nicht zu kleinen Negativpunkt habe ich allerdings auch hier anzumerken. Es gibt eine Szene, wichtig für die Story, leider keine Frage, bei der die Protagonistin sich bewusst einem Rückfall-Risiko aussetzt. „Um mir zu beweisen, dass ich es kann.“ Nein und nochmals Nein! Dieses lernt ein trockener suchtkranker Mensch schon in den ersten Sitzungen: Sicherheiten einzubauen. Und dazu gehört: Solche vermeidbaren Risiken eben zu … meiden. Suchtkrankheit ist ein Leben lang im Körper. Jeden Tag aufs Neue entscheidet sich eins, trocken zu bleiben. In alte Muster zu fallen, aus welchen Gründen auch immer – bitte nicht. (Own-voice rant von mir.)
Punkte? Trotz allem (5) Punkte, weil, die Story ist einfach gut und tut gut.

6. Nzinga, die Pionierin

Von Shelly
Keine CN angegeben. (Für mich: Non-Consensuelle Beeinflussung?)
Ein wundersames Stück intersektionale Phantastik hat Shelly mit diesem Text geschaffen. Wesen, die Kraft ihrer Gedanken Dinge bewegen können, Natur und Technik „befehligen“ können. Hen spielt mit der Idee, diese Gabe auf [sorry, kein Spoiler an dieser Stelle, lest am Besten selbst] auszuweiten. Meine Gedanken dabei: Doch, ich finde, es gibt sie bereits, diese Menschen, die für Personen um sie herum die Welt verändern, ihre Wärme teilen. Und ihre Geschichten – wie diese hier.
(5) Wohlfühlpunkte.

7. Anleitung zum Baumkuscheln für Anfänger (und Wiedereinsteiger)

von Raffaela Creydt
CN: Alkohol, Feuer, Raupen, Insekten, Mord.
(Schon wieder Alk in den CN? *seufzt. Meine Ergänzung: Rauchen.)
So. Was denke ich zu dieser Urban Fantasy im wahren Wortsinn? Ein letzter Baum, alt und krank, soll einer Parkgarage weichen. Mein Freund der Baum spielt als Hintergrundrauschen die ganze Story hindurch, ein Ohrwurm.
Zunächst mal Negatives: Bei den Charakteren kam ich nicht wirklich gleich drauf, wer da eigentlich in der Geschichte vorkommt, das war für mich verwirrend und hat etwas gedauert. Dass eine magische Figur, nachher eine zweite, beide nur sichtbar für die Protagonistin, erscheint, machte es nicht verständlicher. Aber ich brauche manchmal, bis ich mich in Geschichten einfinden kann, manches verstehe ich nicht auf Anhieb, wenn es zu kryptisch geschrieben ist. Was mich zudem leicht genervt hat, war die aufdringliche Binarität (dieses ganze Herr/Frau-Gedöns, selbst bei den Baumwesen).
Positives: Das ist ja mal eine Idee, ein solches Wesen zu personifizieren. Mag den Öko-versus-Kapitalismus-Plot, die durchaus ungewöhnliche magische Variante darin.
Den Schluss fand ich sogar ziemlich brauchbar, mit diesem unerwartbaren Kompromiss.
Mochte einige der Metaphern („Bagger wie gutmütige Tiere“) einfach sehr. Und ja, wer noch nie einen Baum umarmte, hat womöglich noch nie das Leben an sich gespürt. Und ich als Moorwesen habe sowieso eine Affinität insbesondere zu Birken! Eine nachdenkenswerte Kurzgeschichte.
Gebe (5) Punkte für den Baumkuschler-Text.

8. Kevins verhexter Montag

von Martin Gancarczyk
CN: Blut, Feuer (Verbrennen), Gewalt, Queerfeindlichkeit (erwähnt).
[Möchte ergänzen: Sanismus, Lookismus, Drogen (erwähnt), Schleim, Body-Horror (angedrohte Verwandlung).]

Oh my, ist dies köstlich zu lesen! Ich habe sehr geschmunzelt bei diesem Text, trifft genau meine Art von Humor. Es geht um eine Hexe namens Kevin Klein, in Sydney. Mit einem Surfladen … und einem Problem. Ich will an dieser Stelle nicht mehr verraten. Lest das!
Sehr euphorische (6) Punkte von mir.

9. Irren ist übernatürlich

von Amalia Zeichnerin
CN: Blut, Body Horror (Verwandlung), Gewalt, Leiche, Mord, Medikamente.
Es handelt sich hier um einen Auszug, aus dem Buch „Homines Supernaturales – Die Übernatürlichen“.
Queere Wolfswandler_innen und andere magische Wesen in einem spannenden Krimi. Könnte Spuren von Franzbrötchen und Hamburgliebe enthalten. Großartig geschrieben. Für Fans von fantastischen Kriminalgeschichten!
Da ich hier nicht die Zielgruppe bin, weil ich mich mit Krimis nicht auskenne, aber wirklich nur persönlich bewerte, möchte ich für mich ehrliche (5) Punkte raustun. Andere würden vielleicht sogar 6 Punkte vergeben, weil sie das Genre lieben und daher mehr zu schätzen wissen. Aber die kaufen sicherlich auch das ganzen Buch, aus dem dieser Ausschnitt stammt – und tun gut daran.

10. Nie Mehr

von Dyn Quing.
CN: Blut, Body Horror (Verwandlung, abgetrennte Gesichter), Deadnaming, Diskriminierung durch die Polizei aufgrund von Aussehen (Hautfarbe, Narben), Gaslightning, Geister, Genitalien (erwähnt), Gewalt, Transfeindlichkeit, Tabak, vergangenes Trauma (erwähnt).
Uff, das ist eine beeindruckend lange Liste von Content Notes, dachte ich bevor ich zu lesen begann. Und die CN sind sehr berechtigt, denke ich, nachdem ich fertig gelesen habe. Das ist tatsächlich ein sehr heftiger Text, in jeder Hinsicht. Privatdetektiv trifft auf Verbrechen, Geisterwelt, Vergangenheit. Welches der drei Dinge am Schlimmsten ist, stellt sich am Schluss heraus. Und was für ein fulminantes Ende dies ist!
Ein Herz für Tüpfelhyänen, Drachen, trans Wesen und Kakao mit Sahne.
(5) Punkte (minus 1, weil ich persönlich absolut keinen Zugang zu Krimis habe und mit dieser Art Gewalt auch nicht gut klarkomme. My bad.).

11. Böses Loch

von Oliver Baeck
CN: Blut, Geister, Gewalt (explizit), Mord, Medikamente. [Splatter, Gore!]
Meine Güte. Die Story fing so gut an. Solides Verwirrspiel. Eintauchen in Dresden. Geschichtliches. Dann kam Grusel. Okay. Ist noch weniger meins als Krimi. Aber ab Seite 175 wollte ich nicht mehr lesen. Da werden sowohl Probleme als auch Plot einfach mal mit der Keule erledigt. Und die Gründe für den Mord? Klingt nach Homofeindlichkeit. Dieser Text lässt mich ratlos zurück. Aber nun, es ist meine Einschätzung, andere Lesende mögen so etwas Blutiges vielleicht und feiern es.
Vorsichtige (3) Punkte?

12. Die noch nicht wissen, ob sie gehen oder bleiben sollen

von Liv Kątny (alias Oliver Kontny)
CN: Alkohol, Gewalt, Polizeigewalt, politischer Mord, Totalitarismus, Pandemie (erwähnt), Vernachlässigung Minderjähriger, Gefangenschaft, Kinderarbeit, Diskriminierung.
Eine Utopie, die eigentlich eine Dystopie ist, aber in Wahrheit auf wahren Begebenheiten beruht, wie they im letzten Textabschnitt schreibt. Bitter. Teils schmerzhaft zu lesen. Leider zu oft in zu vielen Facetten des Textes Wirklichkeit. Kluger und langer Text. Deprimierend.
Punkte? Gefühlte (4 bis 5) möchte ich hier geben.

13. Der Trank der Zauberin

von Matthias Teut
CN: Alkohol, Blut, Gewalt, Mord, Kannibalismus, Vergiftung, Body-Horror.
[Die CN für diese Antho scheinen irgendwo alle gleich zu sein… nee, Moment, Kannibalismus hatten wir noch nicht./s]
Joah. Diese Kurzgeschichte war wieder cool für mich. Sehr cool eigentlich. Griechische Olympioi in Hamburg, schwuler Satyr, eine schier unlösbare Aufgabe, die sich in Asche auflöst. Märchenhaftes modern erzählt. Abenteuer mit Wortwitz.
Lesevergnügen und Lust auf mehr Stoff dieser Art, daher volle (6) Punkte.

14. Fragen Sie Dr. Fichte!

Von Jasper Nicolaisen
CN: Alkohol, Blut, Body Horror (Verwandlung), Depression, derbe Sprache, Covid, Genitalien, Transfeindlichkeit.
Das hätte eine durchaus ekelhafte Lesung werden können. Aber es ist dermaßen witzig geschrieben, dass der Schleim und die Schädel und alles durchaus auch ins Bild passen. Köstlich. Herrlich schräg. Bisserl derbe. Aber – ich schmunzele immer noch.
Auch hier wieder (6) verdiente Punkte.

15. Nichts einfacher als das

von Leni Wambach.
CN: Blut, Gewalt, Nekromantie, Tod, Untote.
Im Dschungel von London. Was bei magischen Formeln so schief laufen kann, dass es eine ganze Stadt verwandelt.
Seedbombing auf hohem Magie-Niveau. Leider zu viele verletzte (tote?) Mooks für meinen Geschmack. Daher einen Punkt weniger. Aber – was für Bilder einfach!
Gesamt: (5) Punkte.

16. Die Jagd

von Alex Prum
CN: Blut, Gewalt, Tod, Mord, Narben (erwähnt), Waffengewalt (Schwertkampf, Messer), Diskriminierung (durch Polizei, erwähnt).
Berlin als Jagdgrund für einen Dämonen, Grund genug dort Dämonen zu jagen und zu bekämpfen. Schwertkampf mit Opfern. Nun ja. Flattern Tauben nachts eigentlich? Ich glaub ja nicht. Es war spannend, es war blutig, und magisch. Und vor allen hatte der Text endlich mal eine Person mit Neopronomen. Das feiere ich sehr.
So (5) Punkte wären ok, denke ich.

17. In einem Atemzug

von Tanja Meurer
CN: Angst, Blut, Entstellung, Gewalt (explizit), Trauer, Mord (erwähnt), Tod von Angehörigen (erwähnt), Krieg (erwähnt).
Hm. Diese KG könnte der Auftakt zu einem spannenden Vampir-Roman sein. Versöhnliches Ende. Frage mich allerdings, worin hierbei die Queerness liegt. Negativ ist mir aufgefallen: An einer Stelle wird sich gefragt, ob die Person im Körperkontakt etwa ein Mann wäre, weil sie klein und schlank ist – dann wird angenommen, weil kein Busen zu ertasten ist, dass es wohl doch ein Mann sein müsste. Das war unangenehm zu lesen. [Hinweis: weder Körperform noch Name sagen etwas über das Geschlecht aus.]
Hadere mal wieder mit Punktvergabe, weil mir entgegen meiner Erwartung, nette queere Literatur zu lesen zu bekommen, in vielen dieser Kurzgeschichten fast nur blutige, gewaltvolle Dark Fantasy unter die Augen kommt, die zufällig in Städten, wie hier in Mainz, spielt.
(5) wohlmeinende Punkte für die DF also.

18. Der Humunculus

von Isabella von Neissenau
CN: Alkohol, Blut, Selbstverletzung, Body dysmorphia, Nadeln, Gewalt, Waffen (Messerangriff), Queerfeindlichkeit, (explizit), Mord, Suizid (explizit), Transfeindlichkeit (explizit), Tod einer wichtigen Figur.
TW: Es wird Suizid thematisiert.

Uff, ja, wieder mal explizite Gewalt, sehr heftig. Aber auch die Geschichte einer übergroßen (und queeren) Liebe, die alles überwindet, auch den Tod.
(5) Punkte.

19. Geistergeschichte

von Lena Richter
CN: Geister, Tod, Alkohol, Höhe, angedeutete Queerfeindlichkeit.
#UFGQueer
Diese Kurzgeschichte handelt genau davon, was der Titel ankündigt: Geister. Und sie lässt mich mit Gänsehaut zurück. Nein, nicht wegen Grusel. Hieran war nichts gruselig, eher versöhnlich, dennoch aufwühlend. Sondern weil es so eindringlich und vielschichtig geschrieben ist. Es macht sehr nachdenklich und auch ein wenig ratlos. Warum wir keine Zukunft haben, wenn wir nichts aus der Vergangenheit lernen, oder wie hier, von den Geistern der Vergangenheit.
Volle (6) Punkte.

20. Der Spalt bei werk3

von Frank Friedrichs.
CN: Drogen, Sucht, Body-Horror (Verwandlung), Gewalt, Tod.
Dieser Text ist sehr Phantastic. Mit Drachen. Und Liebe. Sehr geheimnisvoll. Wie eine queere Kurzgeschichte mit urbaner Fantastic sein sollte. Und hey, Mal nicht Berlin oder Hamburg, es spielt teils in Schwerin. Und in… ja, wo eigentlich? Lest selbst.
(Und ja, die Verbastelung des Namens zu „Riffraff“ habe ich wohl bemerkt.
Ich denke, (6) Punkte sind hier angemessen.

21. Ein neuer Traum

von Juliane Seidel @KorikoSeidel
CN: Blut, Gewalt, Diskriminierung (Stottern), Body-Horror (Verwandlung). [Möchte hinzufügen: Verwendung von sanistischen Begriffen, und evtl ein bisserl Sexismus?]
In einer Stadt namens Wiesbaden… gehen Werwesen und andere mystische Wesenheiten um. Wer Wiesbaden nicht kennt, kann vermutlich mit all den Straßennamen und Örtlichkeiten so gar nichts anfangen, alle anderen werden sich vermutlich am Wiedererkennen erfreuen können. Die KG beginnt mit einem spannenden Kampf. Die Auflösung der Geschehnisse verschweigt am Ende leider, warum es hier zu diesem Kampf kam. Finde ich ein wenig schade, dass hier die Auflösung fehlt. Es ist, als wäre hier der Plot von gefährlicher Jagd auf „Wir sind die Guten und die tun nix“ umgestellt worden, die Kampfszene aber aus Gründen drin gelassen worden. Tut dem Ganzen an Spannung und Lesevergnügen nicht so wirklich Schädliches an.
Von mir daher (5) Punkte.

22. The Magic Between Us

von Justine Prust @JustinePust
CN: internalisierte Homofeindlichkeit.
Hexerei in Hamburg. Wow. Als ich mir diese Anthologie kaufte, waren es hinreißende Geschichten wie diese, die ich erwartet hätte. Und hier ist eine. Ganz schön warmherzig. Prickelnd. Wohlfühltext.
(6) Punkte, aber am liebsten würde ich 7 oder mehr geben. Oder ein Buch darüber, wie es weitergeht.

23. Verleibungen

von Eleanor Bardilac
CN: Erwähnung missbräuchlicher Beziehung, Narben, Mangelernährung, Drogenmissbrauch, Heilung von Trauma, Blut, Medikamente (ausführlichere CN im Buch)
So eine Anthologie ist wie eine Überraschungstüte: Eins weiß nie, was als nächstes aus dem Beutel gefischt wird. Hier nun war es ein mehrschichtiger Text, dessen Geheimnisse mich von einem Satz zum nächsten sogen. Sehr feine nuanciert gestreute Hinweise, wer die Wesen sind, worin ihre Queerness besteht, wie eine Seele heilen kann. Hat mir anfangs nicht soo gut gefallen, wegen besagter Geheimnisse, die nur peu en peu enthüllt wurden, ich die Personen erst behutsam kennenlernen musste. Am Schluss habe ich bedauert, dass der Text endet.
Chapeau für diese Kurzgeschichte. (6) Punkte, natürlich.

24. Heimkehr

von Noah Stoffers
CN: Tod, Geister, Depressionen (angedeutet), internalisierte Transfeindlichkeit, Gender Dysphoria, Deadnaming (erwähnt).
Hui, wieder Hamburg, wieder Hexen. Eine Geschichte, um sie in einer Sturmnacht an Samhain zu lesen und zu genießen. Sich am Ende beschützt und behütet zu fühlen. Und Solidarisch mit dem Regenbogen, der auch nachts für Menschen leuchtet, gerade dann, wenn er für viele nicht sichtbar ist. Eine Geschichte für alle die wissen, was speziell hier in dieser Story „heimzukehren“ bedeutet.
Der sehr intensive Text hat mich tief beeindruckt. Oh, und ich liebe die Referenz (Koboldplage)!
Punkte: (6 plus mit Sternchen).

25. Tiramisu mit zwei Löffeln

Aşkın-Hayat Doğan
CN: Queerfeindlichkeit, Rassismus, Antimuslimischer Rassismus, Dickenfeindlichkeit, Antisemitismus (angedeutet), Covid-19. [Essen, Erwähnung von Sex, explizite Sprache, Bedrohung, Psychiatrie, Querdenker (auf Seite 392 werden die aus Versehen? Queerdenker genannt).]
Oufz. Sehr, sehr ambivalente Gefühle für diese Story.
Zuerst das Positive: Hannover! Meine Stadt. Steintor. Begriffe wie Brustmuskelprinz und Dornbärchen! Und die Idee mit den Nanas … meine Güte, ich hatte das Bild vor Augen. Köstlich. Hab an einigen Stellen lachen müssen.
Zweitens, die sich anbahnende Lovestory. So süß.
Negatives: Aber dann ist es gekippt. Das Ende des Textes ist (für mich) schwer auszuhalten und tat beinahe körperlich weh. Nach meiner Meinung fehlen da noch etliche CN, weil dieser selbstgefällige Hass kaum auszuhalten ist. Das Schlimmste daran: Diesen Hass aushalten zu müssen, ist Alltag für viele Menschen. Vielleicht ist es aber gut, es einmal so dermaßen deutlich als Plottwist mitzuerleben. Migration, Fremdenhass, Impfgegner … Beleidigungen. Oder – wie aus einem sympatischen Love-Interest ein Arschloch wird.
Schockierte (5 bis 6) Punkte für diese letzte Kurzgeschichte aus der Anthologie.

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