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Rattarium  

Neoterra

Work in Progress #WiP Eine Idee, aus einer Traumsequenz heraus, will hier aufgeschrieben werden. Ich hoffe, ich kann die Story kurz halten.

CN: Person im Rollstuhl, diverse Pronomina, Tier (Hunde)

Die Person an der Anmeldung nahm Lucas Daten auf.
Notierte Namen, Anliegen. „Zu wem wollen Sie?“
Luca antwortete nervös: „Mein Name ist Luca Rhei. Ich habe ein Vorstellungsgespräch, ich soll mich gegen 10:00 Uhr in der Personalabteilung melden.“
Unauffällig sah Luca auf die Uhr, die an der Wand der Eingangshalle hing. Zehn Minuten vor der Zeit, das war hoffentlich akzeptabel.
Hinter dem Tresen nach dem Abgleich einer Liste ein bestätigendes Nicken. „Richtig, Sie werden erwartet. Aha, so wird das also ausgesprochen – Rheii. Gut zu wissen. Bitte nehmen Sie noch einen Moment Platz, Sie werden gleich abgeholt. Dort drüben, bitte.“
Die Person deutete mit einem unverbindlichen Lächeln den Gang hinunter, wo in einer Nische drei Sessel unter einer Birkenfeige standen. Luca dankte und wollte sich abwenden, als die Person noch eine Frage hatte: „Oh, fast vergessen, wie ist bitte ihr bevorzugtes Pronomen?“
Überrascht antwortete Luca: „Ich… äh… em, bitte.“
Eine solche Frage war em bei Vorstellungsgesprächen noch nie gestellt worden.

Schon auf dem Weg zur Sitzgruppe hörte Luca, wie hinter dem Tresen telefoniert wurde. „… Rhe-i, richtig, mit gap zwischen den Vokalen. Ja, ist schon da. Em wartet in der Ficus-Ecke.“
Hinter dem Tresen wurde nun ein Drucker bedient.

Luca hatte sich gerade in einen der äußeren Sessel gesetzt, als die Person hinter dem Tresen hervor und auf die Sitzecke zu rollte. Im ersten Impuls wollte Luca aus Höflichkeit wieder aufstehen, besann sich aber und blieb leicht vorgebeugt sitzen, auf Augenhöhe.
Jetzt konnte Luca auch das Namensschild an der Brust der Empfangsperson lesen: Sally Frank, Reception, pronoun: er.
Sally hatte einen ähnlichen Anhänger in einer anderen Farbe auf den Knien, den er nun, als er Luca erreicht hatte, mit einem entschuldigenden Lächeln an Luca aushändigte. „Sorry, das Schild habe ich auch vergessen. Erster Tag nach dem Urlaub, meine Routinen sind wohl noch nicht wieder routiniert.“
Luca lächelte zurück, nahm dankend das Schild und las:
Guest, Luca Rhei, pronoun: Em.

Luca klipste sich das Besucherschild an ems Hemdtasche. Das Hemd war in einem dunkel schimmernden Blauton gehalten, der an das Meer bei Dämmerung erinnerte. Es passte gut zu Lucas schwarzen Haaren und den dunkelblauen Augen. Sally sah fast ertappt aus, als Luca wieder hochsah, er hatte eine Spur zu lange gezögert, seinen Rollstuhl zu wenden, um Luca zu betrachten. Nun wendete er doch und rollte gekonnt um die Ecke seines Arbeitsplatzes.
Luca sah ihm nach. Em bemerkte erst jetzt, dass die kastanienbraunen Haare Sallys in einem Zopf streng nach hinten gebunden waren. Frontal hatte es wie eine Kurzhaarfrisur ausgesehen. Unter dem eng anliegenden T-Shirt zeichneten sich kräftige Muskeln ab. Vermutlich macht Sally Kraftsport, dachte Luca verträumt.

Luca wurde aus ems Betrachtung gezogen, als sich im Gang auf der anderen Seite des Empfangs eine Fahrstuhltür öffnete. Zwei Personen stiegen aus, eine in einem grauen Kostümkleid, die andere im hellblauen Nadelstreifen-Anzug. Beide begrüßten Sally. Dieser deutete in Lucas Richtung. Sie kamen in eine Unterhaltung vertieft auf Lucas Nische zu. Em entschied sich, aufzustehen. Gespannt wartete em darauf, welcher der beiden sich als Führungskraft des Unternehmens vorstellen würde. Die Person im Kleid redete zuerst. „Hallo, Luca… ich darf Sie doch beim Vornamen nennen?“
Lucas Entscheidung wurde abgewartet, em war einverstanden.
Die Person im Kleid fuhr fort, in dem sie auf ihr Namensschild deutete: „Mein Name ist Herbert Müller, Herbert reicht, Pronomen sie, aber das wechselt manchmal. Und das“, Herbert deutete auf die Schwarze Person im Anzug neben sich, „das ist Olga Henke-Debebe.“ Luca beugte sich vor, um das Namensschild zu lesen. Olga bevorzugte das Pronomen they.

„Wir teilen uns die CEO-Aufgaben, paritätisch“, sagte Olga. Their Lächeln erhellte den Raum als they fortfuhr: „Zwei Personen auf einem bezahlten Posten – wir teilen auch das Ceo-Gehalt.“
Herbert rieb sich über ihren Dreitagebart. „Wollen wir ins Besprechungszimmer gehen, da ist es gemütlicher, als hier im Gang zu stehen.“

Luca wusste selber nicht, warum em noch einmal zu Sally hinüber sah. Dieser machte mit dem Daumen eine aufmunternde Geste. Erstaunlicherweise half em das tatsächlich, die Nervosität ein wenig einzudämmen. Die Dreiergruppe entfernte sich durch eine automatisch öffnende Tür. Olga ging voran und wartete, bis Luca und Herbert zu them aufschlossen. Olga und Herbert nahmen Luca in die Mitte. Sie kamen an etlichen Büros vorbei, deren Türen offen standen oder große Fenster zum Flur besaßen. Luca konnte im Vorbeigehen sehen, dass in fast jedem Raum Hunde waren. Entspannt schlafend auf Kissen unter dem Schreibtisch oder aufmerksam in den Flur blickend, um Vorbeigehende zu mustern.

Das Besprechungszimmer lag am Ende des Gangs gegenüber einer geöffneten Tür zu einem begrünten Innenhof. Eine riesige kuhfleckige Dogge erhob sich und kam schwanzwedelnd auf die Drei zu. Nun wurde Luca klar, warum in der Mail mit der Einladung zu diesem Termin, explizit gefragt worden war, ob em eventuell Angst vor Hunden oder etwaige Allergien in dieser Richtung hätte. Em hatte jedoch gedacht, die Frage hinge mit den Produkten, Hundebekleidung, zusammen, die dieses Unternehmen herstellte. Luca liebte Hunde – und unwillkührlich schlich sich ein bewunderndes Lächeln in sein Gesicht, als das wundervoll elegante Tier auf em zukam.

Etwas in der Haltung des Hundes sagte Luca, em solle nun besser stehen bleiben. Auf die beiden CEOs achtete em dabei nicht mehr. Olga und Herbert beobachteten ems Reaktionen. Luca ließ sich unbeeindruckt beschnuppern und behielt ems Hände respektvoll bei sich. Die Dogge hatte ihre Inspektion beendet und em als ungefährlich eingestuft. Selbstbewusst ging der Hund voraus zum Besprechungsraum. Olga neben em räusperte sich. „Ich glaube, wir müssen uns bei Ihnen entschuldigen, Luca. Das eben war ein Test. Wir wollen wissen, wie ehrlich unsere Kandidaten die Hunde-Frage beantworten. Wir haben da leider schon einige unschöne Sachen erlebt.“

Irritiert sah Luca they an. „Unschön?“, platzte em heraus, bevor em sich zurückhalten konnte, „Sie meinen, die Reste jener, die bei diesem Test durchfielen, liegen verscharrt im Garten dort drüben?“ Luca deutete auf die Beete des Innenhofs. Olga nickte mit unlesbarer Miene langsam und sehr ernst. Luca wurde es heiß. Hätte em nicht ein einziges Mal den Mund halten können? Mit ems Humor kamen wenige Menschen klar. War die Chance auf eine Anstellung im Betrieb mit diesem faux pas gestorben, noch bevor das Vorstellungsgespräch überhaupt begonnen hatte?
Herbert jedoch begann zu kichern. „Der war gut! Ich glaube, Sie werden prima in unser Team passen, Luca!“

Personen-Glossar mit Pronomen

Luca Rhei, em
Sally Frank, er
Herbert Müller, sie
Olga Henke-Debebe, they

Dogge

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