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Nabelschau alter Säcke

Kerle im Klimakterium Männerphantasien in der Zeit zwischen Pubertät und Demenz – eine Rezension.
Wenn manche Männer in ein gewisses Alter kommen, kommen sie oft auch ins Grübeln. Über das Leben, das Universum und die Sache mit den männlichen Wechseljahren. Spätpubertierende Buben, die im zarten Greisenalter ab Mitte 40 etwa mit einem Sportwagen die vermeintlich entgangenen Freuden der Jugend neu erleben wollen, oder sich in junge Dinger vergucken, die rein rechnerisch die Freundinnen ihrer Töchter sein könnten, sind die eine Sorte.
Kreative Köpfe, wie die Autoren Holger Reichard und Karsten Weyershausen, gehören einer Fraktion der „alten Säcke“ – so bezeichnen sie sich selbst – an, die in der glücklichen Lage sind, ihre traumatisierenden Betrachtungen und eigenen Ängste in einem Buch verarbeiten zu können. Titel: „Kerle im Klimakterium“.

So genial treffend wie der Buchtitel ist auch der Inhalt des Werkes. Abwechselnd in kurzen Aufsätzen notiert, arbeiten die beiden kalauernd und ironisch ihre humorigen Reflektionen auf selbst Erlebtes und Persönliches im Spät-Lenz des Lebens ab. Sie verbreiten Expertenwissen, vergessen dabei aber auch nicht die Bezug zur jeweiligen Epoche, wenn sie gekonnt weise Zitate aus Weltliteratur, Filmklassikern oder von Musiker einstreuen.

Der Leser erfährt so ganz nebenbei so wissenswertes wie haarsträubendes über perückentragende Männer der Kulturlandschaft, bekommt endlich die Antwort auf die Betrachtung, ob ein Glas halbvoll oder halbleer ist (es kommt nämlich tatsächlich auf den Inhalt an – und sei es später nur noch das Gebiss im Kukidentbad) oder sieht sich durch die Augen der Autoren mit der Unausweichlichkeit der Rolle seiner gereiften Persönlichkeit konfrontiert, die ihn in eine Linie mit seinen männlichen Vorfahren stellt und irgendwie zum Opfer seiner Herkunft macht.

Fazit

Eine vergnügliche Lektüre zum Schmunzeln, Kichern und Philosophieren. Eine Anleitung zur Selbsterkenntnis im biologischen Herbst eines Mannsbildes – aber auch für Frauensleute empfehlenswert, die wissen wollen, was ihrem proto-ältlichen Gatten im Kopf herumspukt. Auf jeden Fall ein nettes Mitbringsel für Geburtstagskinder jenseits der 45 oder ein unverbindliches Geschenk zur Weihnachtszeit an dieselbe Zielgruppe – selbstredend ohne böse Hintergedanken. Niemals. Oder nur ein wenig, zumindest.

Die Autoren

Die mit leichter Hand karikierten Zeichnungen zu Beginn der Kapitel entspringen aus Karsten Wyershausens Hand, der braunschweiger Grafiker, Cartoonist, Comic-Kenner und Illustrator, der unter anderem „Horst“ berühmt gemacht hat.

Die andere Hälfte der in Worte geschmiedeten Vergänglichkeit männlicher Jugend stammt aus der Feder des Autors und Werbetexters Holger Reichard, der in seinem letzten Buch über „111 Gründe sich selbst zu lieben“ nachgedacht hat – und dieses durchaus nicht allzu anzüglich.

Die Kerle im Klimakterium haben es geschafft, in ihrer gemeinsamen Sinnsuche in der Midlife-Krise die brennenden Fragen ihrer leidenden Altersgenossen zu beantworten, beispielsweise wohin die Haare verschwinden, wenn die Mähne zu Glatze wird. Oder warum die kleinen blauen Pillen plötzlich zum Thema werden (können) und man(n) sich trotz alledem nicht hängen lassen sollte. Schließlich sei nicht alles schlecht in den mittleren Jahren, aber fast alles, sagt jedenfalls der Untertitel des Buches.

Kerle im Klimakterium, 224 Seiten, erschienen November 2012 im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag und kostet: 9,95 Euro.

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