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Winterdienst

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Eine (fast) ernstgemeinte Glosse von Ed © 1/2003

Über Nacht hat es geschneit. Verschlafen sehe ich hinaus in die weiße Pracht. Von Ferne höre ich vereinzelt Nachbarn den Schnee von den Gehwegen räumen. Dieses Geräusch hatte mich vermutlich geweckt. Seufzend steige ich in meine warmen Sachen, um mich noch vor Dusche und Frühstück und was noch schlimmer ist, vor der ersten Tasse Kaffee, hinaus auf die Straße zu begeben, um ebenfalls Schnee zu schaufeln. Ist ja schließlich Bürgerpflicht und es soll ja auch keiner zu Schaden kommen.

Ich trete also hinaus in die klirrende Kälte, meinen Schneeschieber bereit.
Ein erster Blick die Straße hinauf und hinunter, kurzes Grüßen zu meinen fleißigen Leidensgenossen. Ich versuche ihr Treiben zu ignorieren. Denn sie tun es wie jedes Jahr: Sie schieben nämlich ausnahmslos und alle ihren Schnee vom Gehweg AUF DIE STRAßE !!

So gut es geht, befreie ich meine 50 Meter Fußweg vom Winter, 20 Meter davon Grünstreifen. Als die Gemeinde letztes Jahr die Erneuerung der Fahrbahn anordnete, hatte ich mich gefreut, dass wir nun nach zwanzig Jahren trampelpfadähnlicher Verhältnisse endlich einen richtigen Gehweg bekämen… zu früh gefreut, sie haben einfach wieder Erde draufgekippt und uns Anliegern ein Beutelchen Grassamen in die Hände gedrückt. Also immer noch nur ein Hundescheiße-Rand hinter dem Zaun.

Wie es sich gehört, schiebe ich daher einen ein Meter breiten Streifen auf der Fahrbahn frei, da sich die Grasnarbe allen Schneebefreiungsversuchen erfolgreich widersetzt; wohl wissend, dass der nächste Schneepflug diese Arbeit zunichte machen wird. Ich sehe nicht zu den Nachbarn, die immer noch fleißig alles auf die Fahrbahn schaffen. Verbissen schaufele ich meinen Schnee an die Zaunseite oder in den Garten dahinter.

Seit Jahren geben die Medien immer die gleichen Parolen aus, wann und wie oft Schnee geräumt werden muss. Ist ja auch ganz löblich, wir Deutschen sind halt gerne über Gesetze informiert. Aber warum sagen sie uns nicht die GANZE WAHRHEIT. Es gibt etliche Gesetze, die ein Zuschaufeln der Fahrbahn geradezu verbieten. Warum wird das nicht auch publik gemacht?

Hier auf dem Lande ist es ja nicht ganz so relevant, aber wenn in der Stadt der Fahrbahnrand von einem Schneeberg zugeparkt wird, macht das den parkplatzsuchenden Autofahrer nicht wirklich froh. Oder all die armen Fußgänger, die sich durch aufgeschichtete Loipen kämpfen müssen, wenn sie nur die Straße überqueren wollen. Bei all den Schneemassen, weiß der tastende Fuß nie, wo eigentlich Straße aufhört und Bürgersteig anfängt.
Ganz zu schweigen, von den Unerschütterlichen, die auch bei Eises-Glätte ihr Heil und Fortkommen per Rad versuchen.

In unseren Breiten hält sich der Schnee nur wenige Tage, und schon bald werden wir schon wieder Tauwetter haben. Mein Abschnitt der Straße ist dann bald wieder trocken, denn meine Gosse ist ja frei. Bei den Nachbarn dauert es Tage, bis der Matsch davonrinnt, eben wegen der Schneegebirge, die sie dort türmten und das Schmelzwasser kann nirgends abfließen.

Mein Appell an Deutschland im Winter:

Freie Straßen für freie Bürger!

Das wäre mein Wunsch für das Neue Jahr. Ich hoffe, dass die Menschen dieses Jahr vielleicht erst ihr Gehirn einschalten, bevor sie ihre ‚Bürgerpflicht‘ erfüllen. Und dass auch die Medien ihre alljährlichen Ratschläge einmal überprüfen und nicht jedes Mal denselben Sermon drucken.

Und dass ich den nächsten Winter in südlicheren, schneefreien Breiten verbringen darf.

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