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Zweite Chance unverhofft

DSC00900 Manchmal kommt alles anders als gedacht. Gina ist so ein Fall. Unser Caspar baut leider sehr ab in letzter Zeit, ziemlich taub war er eh schon, nun ist er auch fast blind und reichlich dement, der Arme. Daher habe ich langsam einen Nachfolger ins Auge gefasst. Eine Podenca sollte es unbedingt sein – seit Sancho lieben wir das Wesen der Podencos. So ca. 5 Jahre sollte sie sein, nicht zu groß und hell wollten wir sie und natürlich mit Stehohren.
Einige spanische Mädels hatte ich schon näher in Betracht gezogen, aber es eilte ja nicht. Bei den Tierheimen der näheren Umgebung hatte ich ebenfalls regelmäßig durch die Online-Zwinger geblättert, aber da war nie etwas für uns dabei.
Wir wollten ja einen Podenco. Klar, ne?

Und dann war auf der Seite des Tierheims Peine ein neuer Hund. Gina. Schon zehn Jahre alt, fast schwarz – bis auf die weißen Pfötchen (ich denke, diese und ihre dunklen, wie lackierten, Krallen hatten es mir sofort angetan), Schlappohren und kein Podenco. Nicht mal aus Spanien, ursprünglich kam sie aus Griechenland.

Bevor ich hingefahren bin, um sie im Tierheim in Natura zu sehen, rief ich dort an. Leider war sie schon reserviert, aber ich solle doch am Dienstag nochmal nachfragen. Tat ich, eigentlich nur aus Pflichtbewusstsein, für mich war sie eigentlich schon weg. War sie aber nicht, die Interessenten waren einfach nicht aufgetaucht und ich könne sie mir mal ansehen. Wann? Na, gleich.

Der erste Eindruck: Gina stand im Auslauf am Zaun und bellte sich die Seele aus dem Leib. Einen Kläffer wollte ich eigentlich nicht. Nun, wenigstens die Größe stimmte. Und sie leckte mir freundlich-aufgeregt die Hand. Netter Hund! Und dieses Fell, so weich und zart. Ok, dann wollen wir mal spazieren gehen. Gina zog wie eine Bulldozer. Gar nicht gut.

War aber ohnehin zu spät. Ich hatte mich bereits rettungslos verliebt. Bin dann nochmal hingefahren, habe Caspar mitgebracht – der kriegt es alles eh nicht mehr so mit und Gina ist ein gutartiges Tier, passt also. Sohn war mit, er mochte sie auch auf Anhieb. Wir durften am Samstag Gina zur Probe mitnehmen für ein paar Stunden. Auch Hubby war sofort in sie vernarrt. Von uns aus war sie damit adoptierbar. Und Gina? Sie inspizierte das Haus, kontrollierte den Garten, öffnete ohne Zögern die Haustür (krass!), entdeckte dann die Hundeklappe zum Garten und damit war es auch für sie klar: Das wird mein neues Zuhause.

Am Sonntag gab es noch eine Vorkontrolle und sie durfte gleich über Nacht bleiben. Was soll ich sagen. Keine Probleme mit übernachten, sie kläfft nicht, sie läuft nicht weg und gehorcht einigermaßen. Das Leineziehen wird auch weniger, daran werde ich in den nächsten Wochen arbeiten. Sie musste sich anscheinend die letzten Wochen Stress und Zwinger ablaufen. Sie ist sehr intelligent, wird also schnell lernen. Weder Sancho noch Capar konnten zum Beispiel mit dem Leckerliball etwas anfangen, die Goldies wollten ihn gar in Gänze fressen. Gina hat das Prinzip fast augenblicklich kapiert und hatte ein paar schöne Minuten mit dem Teil. Man muss aber schon sehr genau bei ihr sei. Nach den letzten zwei, drei Hundealterchen hier ist dieser Wirbelwind eine echte Herausforderung. Von wegen, älterer Hund sucht Zuhause für letzte schöne Jahre. Diese Skýla ist eine Rakete.

Jetzt liegt sie ausgepowert hier neben mir – auf! dem Sofa – ganz dicht angeschmiegt und träumt von den ganzen aufregenden Ausflügen, die wir schon gemacht haben. Es gibt glücklicherweise so viele Wege rundum, dass wir tagelang keinen doppelt gehen müssen.
Irgendwie muss ich es erst noch reflektieren, dass wir nun wieder einen „richtigen“ Hund im Haus haben. Aber ihr bezauberndes Wesen macht es einfach, sie zu mögen. Sie fügt sich ein, als wäre sie seit Jahren hier zuhause. Was für ein wundervoller Hund. Ihre Vorbesitzer wollten sie nach einen Ausbruch nicht wiederhaben, zu anstrengend sei sie. Ich sage: ihr habt sie nicht verdient!

Heute haben wir ihre Papiere bekommen. Im Impfausweis fanden wir einen Notiz von ihrer Retterin, die Ginas (damals Petra) erste Tage erklärt. Schönes Ding.
Sie und ihre Geschwister waren ohne Futter und Wasser in einem Garten an einem verlassenen Haus gefunden worden. Es hatte zwei Wochen gedauert, bis Gina, Peaches und die anderen von einer Frau namens Joy Renard eingefangen werden konnten. Diese Frau hat sich drei Monate lang bemüht, ihnen die Angst vor Menschen zu nehmen. Das hat sie gut hinbekommen, Gina ist ein wundervoller, ausgeglichener und liebevoller Hund geworden.

Anstrengend? Ja, sie fordert Aufmerksamkeit, muss bewegt und beschäftigt werden. Aber – was für ein toller Hund ist uns hier zugefallen! Wir haben einander nicht wirklich gesucht, aber wir haben uns gefunden. Die Zukunft wird spannend.

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