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Baum zersägt, Zaun erlegt

Einige meiner Freunde werden sich an die Geschichte erinnern, als ich vor Jahren eine Birke, die zu nah an der Straße wuchs, persönlich abgeholzt habe und die dabei elegant auf die Straße kippte, anstatt wie geplant im Garten aufzuschlagen.
Nun haben der Göttergatte und ich angefangen, die ortuntypischen Nadelgehölze aus unserem Biotop zu entfernen. Und es ist wieder passiert. Der Baum fiel … auf den Zaun und nicht daneben.
Was bis dahin sonst noch alles passierte fällt sicherlich unter „Murphys Gesetz“ – wenn es schief gehen kann, dann aber gründlich.
Es fing damit an, dass ich die zuvor vom bis dato noch stehenden Stamm gekappten Äste mit einer überdimensionierten Astschere in Autoanhänger-taugliche Teile schneiden sollte. Die Äste warf „er“ auf einen Haufen und ich schnippelte fleißig – bis es auf einmal „PUFF“ machte und neben einer kleinen Stichflamme ein Rauchwölkchen vom Hinscheiden etwas Elektrischem kündete. Was war das? Elektrische Äste? Statische Über/Entladung der Schere? Nein, sagte der Mann, du hast die Stromleitung der Kabeltrommel erwischt. Stimmt, die lag blöderweise unter dem Haufen.
Während der Mann im Haus das Kabel tauschte, nutzte ich die Gelegenheit, weitere dicke Stämmchen im Dickicht auszuholzen. Dabei verabschiedete sich die Baumschere. Zu dickes Holz, zu billige Ausführung des Geräts und eine Dilettantin am anderen Ende – keine gute Basis. (Hat der Mann aber gleich in seiner Werkstatt geflickt – er ist halt durch und durch Heimwerker.)

Ast für Ast säbelte dann meine „Axt im Haus“ den Stamm kahl, während ich die abfallenden Teile auf einen Haufen stapelte. Immer höher wurde die Leiter verlängert. Letztlich stand nur noch der nackte Baum mit einer relativ keinen Restbelaubung (spricht man bei Blautannen von Rest-Benadelung?). Den wollte er relativ hoch angesetzt umlegen, damit genug Hebel zum späteren roden blieb.
Mit einem Strick sollte ich die Sicherung unten übernehmen. Das heißt, wenn die Tanne fällt, sollte ich sie in die Fallrichtung (und weg vom Baumfäller) ziehen. Gesagt – getan. Strick drum, Keil zur Fallrichtung gesägt, auf der anderen Seite die Säge zum finalen Schnitt angesetzt. Der Mann flucht, es ist kein Platz für das Sägeblatt, der Motor ist im Weg.
Also schneidet er noch einmal oberhalb, schaut zu mir runter und meint: „Zieh doch mal“ Er schwört, er hätte beim ersten Knacken im Holz gesagt, ich solle wieder aufhören, doch das habe ich leider nicht mitbekommen, weil ich nur noch panisch zog, um den Stamm von ihm wegzubekommen. Denn er, der sich im Baum-Fall sofort in Sicherheit bringen sollte, stand einfach nur auf der Leiter und schaute zu. Toll.
Ich zog, der Baum flog und HB kommentierte trocken: „Das war der Zaum.“ (Besser der Zaun als der Mann, oder?)

Meine Gefühle schwankten zwischen déjà vus und großem Bedauern. Das Gefühl des erneuten Erlebens bezog sich auf die eigenwillige Fallrichtung des Baumes und das Bedauern galt dem Taubenpaar, dessen Gelege wir mit dem Fällen zerstört hatten. Dabei hatten wir vorher sehr gründlich nachgeforscht, dass da nichts derartiges zu Schaden käme. Das einzige vorhandene Nest oben im dichten Bewuchs des Wipfels hatte HB als alt und leer eingeschätzt, weil er von unten durchblicken konnte: „Da ist nix drin, ich kann den Himmel durchschimmern sehen“. Tauben bauen anscheinend recht nachlässig.
Zum Glück waren die beiden Eier, die beim Hinstürzen auf den Gehweg neben dem Garten aufgeplatzt waren, relativ frisch gelegt. Wäre da ein weiter entwickeltes Gelege gewesen, hätte ich mir das nicht verziehen. Aber so haben die „Ratten der Lüfte“ noch genügend Zeit für eine Neuanlage in einem anderen Baum. Sie sollten sich dabei aber besser nicht die „kleine“ Konifere aussuchen, denn die ist als nächstes dran. Erstaunlich, wie unglaublich hoch diese Balkonbegrünung werden kann.

Und die positiven Resultate dieser Fällaktion? Wenn die Nadelbäume weg sind, können wir da heimische Büsche hinsetzen. Die sind gut für Insekten, Vögel und auch für uns – als Sichtschutz. Bis dahin ist meine private heimelige Sitzecke am Teich den Blicken sämtlicher Passanten ausgesetzt. Aber das war ja zu erwarten.

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