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Der heimelige Garten

Bevor ich abends ins Bett gehe, schaue ich (fast) immer noch einmal in unseren Garten. Bleibe einfach nur still im Dunkeln stehen. Warte. Meistens passiert dann auch etwas. So wie gestern.
Mit einer Handvoll Pellets hatte ich die Fische im Teich zum Nachtmahl eingeladen, und da ich das beinahe jeden Abend mache, lassen sich die Fantastischen Vier auch nicht lange überreden. Dicky, Kotze, Spot und Nemo warten meist schon in der Nähe des Futterrings. Ich stelle mich dann in den Schatten am Teich, der beinahe magisch illuminiert ist, lausche dem Schmatzen der Karpfenartigen, sehe zum Himmel empor. Wenn ich Glück habe, kann ich einen Sternenhimmel bewundern. Aber auch sonst ist da oben immer etwas los. Fernflieger blinken entfernt, wetteifern mit den Sternen, oder bei Westwind gleitet gelegentlich ein Flugzeug im Landeanflug (auf Hannover) so langsam in wenigen hundert Metern Höhe vorbei, dass man meint, es müsste eigentlich fallen.
Angezogen von der Teichbeleuchtung flattern Nachtinsekten umher. Und Fledermäuse. Völlig lautlos für menschliche Ohren. Schemen nur, huschen in Sekundenbruchteilen durch die Lichtbahnen und sind irgendwie nicht von dieser Welt.
Wie ich also so dastehe und den Hals nach den fliegenden Mäusen recke, denke ich: „Jetzt fehlt nur noch der Igel zu meinem Glück“ Das war das Stichwort, denn rechts von mir kommt etwas kleines Dunkles die hellen Gehwegsplatten herangeschlendert, kommt genau auf mich zu. Was wird er machen, wenn er mich entdeckt? Hatte er das nicht längst? Igel haben eine verdammt feine Nase. Wird er sich einrollen, vor Schreck erstarrt? Aber nein, er trottet weiter in meine Richtung. Ich stehe unbeweglich, Arbnora läuft mir gleich über die Füße! Jetzt wird er (oder sie?) doch langsamer, schnuppert an meinen Schuhen, riecht Mensch, scheint kurz zu überlegen, wendet sich interessiert zum Teich und macht sich dann, völlig unhastig, das Ufer entlang Richtung Pfirsichbaum davon.
Ich wage wieder zu atmen. So etwas erlebt man auch nicht jeden Tag, oder besser jede Nacht.
Apropos Pfirsichbaum, und so. Unsere Obstbäume haben den Charakter einer Streuobstwiese. Gelegentlich nascht man zur Reifezeit das eine oder andere Stück Obst vom Baum, was hinunter fällt, bleibt liegen. Und findet dankbare Abnehmer, vom kleinsten Insekt zum naschenden Vogel und manchmal wird auch eine Tüte Äpfel für ein befreundetes Pferd gesammelt. Die Gehäuse-Schnecken, und wir haben etliche im Garten, müssen recht flink sein, wenn sie dort an der Obstbar lutschen, um all den Räubern, zu entkommen, die zwar kein Fallobst mögen, aber gerne der Fallobstliebenden Beute auflauern.
Es ist wirklich erstaunlich, wie reichhaltig die Natur sein kann, wenn man sie denn lässt. Tagsüber fallen zum Beispiel Scharen von Admiralsfaltern über die Mirabellen am Boden her. Die sind zwar nicht geschützt oder selten, aber in solchen Scharen sah ich Prachtfalter nur in meiner Kindheit.
Verreisen im Urlaub? Völlig Unnötig! In meinem wilden Garten tobt das Leben. Man muss nur hinschauen!

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