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Morgenstund

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„Mama, der Hund hat ins Treppenhaus geschissen!“
Wenn ich etwas hasse, dann ist es frühmorgens aus dem Schlaf gerissen zu werden!
Noch nicht der menschlichen Sprache mächtig, knurre ich meinen Jüngsten nur an und rappele mich aus dem warmen Bett. Der Lütte versteht auch ohne Worte und macht sich schleunigst aus dem Staub. Noch halb im Koma taste ich nach dem Wäschehaufen neben meiner Schlafstatt, es ist definitiv zu früh für Überlegungen in der Richtung: ‚Was ziehe ich heute an‘. Im fahlen Dämmerlicht eines trüben April-Morgens halte ich mich nicht lange nach der Brillen-Suche auf – um die finden zu können, müsste ich eine auf Brille haben oder auch nur erst mal und überhaupt die Augen richtig öffnen können.

Also wanke ich zur Tür, tappe ins Treppenhaus und schleppe mich abwärts. Aha, da haben wir ja die Bescherung: drei kleine Haufen vor der Erdgeschoss-Tür. Als ich mit einem großen Schritt über das Malheur steige, meldet auch die Nase das Ereignis. Ich muss in die Küche, um ein paar Lagen von diesen wunderbar saugfähigen Papier-Küchen-Tüchern zu holen, aber irgendetwas hemmt meinen Elan. Drei Sekunden später (das ist das beste was mein Gehirn um diese Uhrzeit hergibt) weiß ich, was mich stört: es ist dieser weiche Tritt am rechten Fuß und die Spur brauner Tapsen vom Flur bis in die Küche, die an meinem rechten Schuh endet.
– Scheiße ! –
Ohne Brille und ohne Licht hatte ich das vierte Häufchen auf dem dunklen Vorleger übersehen.

Jedenfalls kriege ich meinen Pantoffel wieder sauber (zum Glück ist der Schlappen schon so alt, dass kein Profil mehr vorhanden ist, in dessen Rillen der Unrat hätte einziehen können) und mit Hilfe des Küchen-Reinigers (Chlor-Dämpfe am Morgen vertreiben Kummer und Sorgen) ist auch die Hinterlassenschaft im Treppenhaus beseitigt. So dann noch schnell die Hunde in den Garten lassen, Treppenhaus lüften, Futter anmischen, beim Igel nach dem Rechten sehen, das eine Kind versorgen, das andere wecken (warum sollte nur ich die Freuden eines beginnenden Ferientages erleiden) die Katze füttern, die Hunde füttern, den Eismann abwimmeln, das Lego-Haus vom Lütten bewundern, Kaffee.
Endlich Kaffee.
Und ein wenig Zeit vor dieser Kiste hier, um meine Gedanken zu sammeln, während sich Adrenalin und Koffein irgendwo in meinen Blutbahnen einpegeln.
Guten Morgen allerseits.

(c) 2004 ed

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