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Lärmtheorie

Ein Liegestuhl am Gartenteich, Vogelgezwitscher, das Rascheln von Blättern im Wind, das Summen emsiger Insekten und sonst erholsame Stille. Versenken in ein gutes Buch, die Seele baumeln lassen, fern der hektischen Großstadt. Leben auf dem Lande – die Ruhe pur? Denkste!
Durch Abwesenheit von Nebengeräuschen wird jedes Dezibel zum marternden Angriff auf sensibel schwingende Ohrnerven.
Frühmorgens beginnt die urbane Rushhour definitiv zu früh (das mit der Sommerzeit ist dann ein anderes Hassthema) mit dem Durchstarten von Autos und Bussen, die an jeder Haltestelle Rucksack tragende Sardinen in sich einsaugen und sie an den Schulen wieder auseitern. Zum Glück gibt es zuweilen Ferien, die Kinder sind dann meist im Urlaub und der Verkehr der Buslinien ist auf ein rudimentäres Bewegen der Leerguttransporte gesenkt. Die Kinder, die nicht weg sind, sind dann allerdings bemüht, den Lärmpegel für die Abwesenden mit zu gestalten. Auch am ansonsten ruhigen Vormittag. Seufz.
Danach folgen die ganz jungen Kinder, die von ihren Müttern in den Kindergärten abgeliefert werden. Auf dem Weg dahin sind sie mobil unterwegs. Wenn es nur zur Belüftung der Kurzen hinaus geht, dann manchmal mit diesen unsäglichen Bobbycars. Die Hartplastikrollen erzeugen ein weit hallendes Knirschen (wenn vorher Sand befahren wurde) und unsägliches Rallern auf den ziegelbepflasterten Wegen. „Kevin-Sebastian, da vorne an der Straße musst du bitte warten. Halt an, Kevin-Sebastian. WARTE!“
Kevin-Sebastian:„Warum?“

Hinzu kommen die regelmäßigen Ruhestörer: der wöchentliche Wurstwagen, der hupt, als wäre er ein Rentner in seinen Wolfsburger Kleinwagen, dem ein alternativ geparktes Auto die Einfahrt blockiert; Jeden Mittag klingelt sich der Italo-Eiswagen durch die Siedlung (wobei die hiesigen Kinder vermutlich fast alle im Italienurlaub zu sein scheinen); Und dann sind da noch die sporadischen Heimwerker an der Kettensäge (den Baum machen wir zu Brennholz – ich traue dem Klimawandel nicht…) und mein persönlicher Favorit auf der Hassliste sind die täglichen (!) Rasenmähermänner.
Rasenmäher wurden nach meiner Ansicht erfunden, um irgendetwas zu kompensieren. Rasen gehört entweder auf den Sportplatz oder in einen großen englischen Park. Auf 200m² Vorgarten wirkt das eigentlich nicht.

Ach ja, meine Theorie zum Lärm: Wir hatten also zunächst die Jüngsten auf den ratternden Rutscheautos. Wenn die Kleinen alt genug sind, schaffen sie sich Mofas an. Diese werden möglichst ziellos und meist in Rudeln durch die abendlich stillen Straßen getrieben. Den Gaszug immer am Anschlag. Schalldämpfer sind etwas für Warmduscher. Danach wird der Führerschein für PKW gemacht und der junge Motorist lärmt mit einem kleinen Gebrauchten über den Asphalt. Mit aufgedrehten Bässen und – selbstredend – weit geöffneten Fenstern. Aber auch wenn die Autofenster geschlossen sind, dringen diese Technobeats drei Blocks weit. Mindestens. Ob das schon zum Paarungsverhalten jugendlicher Erwachsener gehört? Anlocken von Weibchen durch markante Geräusche?
Ja, und dann finden sich tatsächlich Paare, es wird geheiratet, der Rasen gemäht, Kinder kommen, fahren Rutscheauto – und der Zyklus beginnt von vorn.
Da freut sich frau, wenn das Wetter mal so schlecht ist, dass die Rasenmäher im Stall bleiben müssen und die Mofas in der Garage. Da kann ich gemütlich im Haus sitzen, und meiner favorisierten Musik lauschen. Was? Zu laut? Verstehe ich gar nicht. Ist doch nur ganz normaler Metall….

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