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Drachenwelten

Seit Jahren – nein, seit Jahrzehnten – steht in unserem Bücherschrank ein Buch von Anne McCaffrey: „Die Welt der Drachen“, ein futuristischer Roman, den ich als Jugendliche verschlungen habe. Eher durch Zufall entdeckte ich dieser Tage, dass es etliche Folgebände gibt. Dank Internet suchte ich mir flugs die nächsten Titel heraus und bestellte im Buchhandel einige der anschließenden Bände.

Band 1, die „Welt der Drachen“ (Dragonflight) wollte ich mir ganz gemütlich über Ostern noch einmal durchlesen. Vielleicht ein Stündchen am Fenster im Buch blättern, während draußen das unbeständige Aprilwetter genau zu diesem Tun einlädt. Nun ja, der Plan wurde dann doch erst abends in die Tat umgesetzt und ich machte es mir mit dem ersten Band der Chroniken von Pern im Bett gemütlich.
Wie so vieles aus meinen jungen Jahren las ich auch dieses Werk nun mit anderen Augen, mit dem Abstand von Zeit und gemachten Erfahrungen. Ein Jugendbuch ist es, das stimmt schon. Aber es fesselt einen derart – selbst wenn man den Schluss ja bereits kennt, dass ich es erst wieder aus der Hand legen konnte, als ich auf der letzten Seite angelangt war. Da war es drei Uhr morgens!

Das sagt nun zweierlei aus: dass ich ein schlichtes Gemüt habe und mit einfachen Sachen zu begeistern bin? Oder doch eher, dass die Frau, die dieses schrieb – und die immerhin älter als mein Vater ist – eine begnadete Autorin ist, die ihre Leserschaft in ihre erdachte Fantasiewelt mitzunehmen in der Lage ist.

Drachen haben Konjunktur, wie an den derzeit kursierenden und sehr erfolgreichen Kinofilmen unschwer zu erkennen ist. Die Fabelwesen, schön und schrecklich zugleich, beflügeln seit Jahrhunderten die Fantasien der Menschen. Drachentöter wie Georg und Siegfried sind quasi unsterblich geworden. Drachenzähmer stehen ebenso hoch in der Gunst der medialen Welt, sei es Frau Mahlzahn (Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer von Michael Ende), Drachenwesen aus Avatar (Aufbruch nach Pandora) oder sind es eben die Drachen von Pern, dieser vergessenen Kolonie der Erde in einer sehr fernen Zukunft. Hier werden sie nicht als verschlagen oder brutal geschildert, hier sind sie fast so etwas wie Symbionten ihrer Reiter, intelligent, telepathisch und schön.
Vor Äonen von den Kolonisten als Waffe gegen die zyklisch auftretenden Sporen aus dem All gezüchtet, sind sie der Schlüssel zu der mittelalterlich anmutenden Lebensweise und Gesellschaftsform des Planeten Pern.

Die Drachenwelt, in den 1970zigern erschienen, ist ein Plädoyer für das Anderssein, das Aufbegehren der Jugend, das Über-sich-hinaus-wachsen und das Brechen mit Traditionen, besonders mit der traditionellen Rolle der Frau. Tja, das Buch ist über 40 Jahre alt und was damals noch als revolutionär galt, ist heute (fast immer) eine Selbstverständlichkeit. So ganz traute sich damals auch Anne McCaffrey nicht, die Tabus ihrer Erziehung zu brechen, denn sie lässt ihre Protagonistin, Lessa von Pern, immer einen Schritt hinter ihrem männlichen Gefährten agieren. Nein, das ist nicht ganz richtig, denn die junge Frau hat ihren eigenen Kopf und bricht gerne die Regeln, wenn sie ihr überholt vorkommen – aber sie bedient beispielsweise den Mann beim Essen. Das Frauenbild in dieser hierarchischen Gesellschaft ist eigentlich dasselbe wie das hier in der westlichen Welt des vorigen Jahrhunderts.

Aber was soll’s. Ich habe die Welt der Drachen ohne Unterbrechung durchgelesen, und das spricht doch eigentlich für sich. Ich freue mich auf nächste Wochen, wenn die Folgebände hier eintreffen.

Ruft nicht an, mailt nicht, kommt nicht vorbei – ich bin beschäftigt, ich bin auf dem Planten Pern, ich lese!

Internetseite von Anne McCaffry

Nachtrag: Inzwischen habe ich auch die restlichen Bände geordert, einige auf englisch, da die weit über zehn Jahre alten, gebrauchten deutschen Übersetzungen teils um die 40 Euro kosten sollen.

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